Heckentag 2026

Veröffentlichungsdatum17.07.2026Lesedauer4 Minuten
Ein grüner Käfer auf einer weißen Blume

Heckentag 2026: Hecken als verlässliche Lebensräume für Bestäuber

Nach dem Winter beginnt für viele Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen die Suche nach Nahrung. Wenn erst wenige Pflanzen blühen, liefern heimische Hecken wertvollen Pollen und Nektar. Beim Heckentag 2026 können ab 1. September wieder heimische Sträucher, Bäume und Heckenpakete aus regionalem Saatgut bestellt werden. Sie bringen Vielfalt in Gärten und schaffen Lebensräume für Bestäuber.

Bestäuber wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sichern die Fortpflanzung zahlreicher Wildpflanzen und bilden eine zentrale Grundlage für Erträge im Obst- und Ackerbau. Doch schon im anbrechenden Frühjahr treffen viele von ihnen auf ein begrenztes Nahrungsangebot. Nur wenige Pflanzen blühen bereits, viele andere befinden sich noch in der Entwicklung. Auch später verläuft das Jahr nicht gleichmäßig. Phasen mit ausreichend Blüten wechseln sich mit Zeiten ab, in denen Pollen und Nektar fehlen. Für Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge entstehen dadurch blütenarme Zeiten, die darüber entscheiden können, ob ihre Populationen stabil bleiben.

Welche Bedeutung heimische Hecken dabei haben, untersuchte das österreichweite Forschungsprojekt „Heckenleben“ des Vereins Regionale Gehölzvermehrung. Im Fokus standen unter anderem die Blühabfolge heimischer Gehölze und ihre Rolle für die Versorgung von Bestäubern über das gesamte Jahr hinweg. Die Ergebnisse zeigen, dass Hecken aus heimischen Gehölzen wichtige Versorgungslücken schließen können. Während Weiden, Kornelkirschen oder Vogelkirschen im Frühjahr erste Nahrungsquellen bieten, übernehmen später andere Gehölze und die krautigen Pflanzen entlang der Hecken diese Funktion. Dadurch entsteht ein Blütenangebot, das Bestäuber nicht nur während großer Blühphasen versorgt, sondern auch in den Zeiten dazwischen.

Entscheidend ist dabei auch die Herkunft der Pflanzen: „Gehölze reagieren sensibel auf Klima, Boden und Höhenlage, und Pflanzen aus regionalem Saatgut sind an diese Bedingungen angepasst und entwickeln ihre Blühzeiten im Einklang mit ihrer Umgebung“, sagt Landschaftsplaner und Gehölzexperte Klaus Wanninger. 

Gerade für spezialisierte Bestäuber ist dieses Zusammenspiel wichtig. Viele heimische Insekten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen und können Arten aus anderen Regionen oder gar von anderen Kontinenten nur eingeschränkt nutzen. „Erst wenn Herkunft, Blühzeitpunkt und Pflanzenart zusammenpassen, entstehen verlässliche Abläufe über das Jahr hinweg“, so Wanninger.

Der Verein Regionale Gehölzvermehrung arbeitet seit über 30 Jahren nach diesem Prinzip und setzt es auch beim Heckentag in Niederösterreich, Wien und dem Nordburgenland um. Saatgut wird in den jeweiligen Regionen von wild wachsenden Gehölzen gewonnen, weitervermehrt und wieder in diese Regionen zurückgebracht. So bleiben Anpassungen erhalten, die für das Zusammenspiel von Pflanzen und Insekten wesentlich sind. Jeder Garten kann dabei Teil dieser Entwicklung sein, denn schon eine einzelne heimische Hecke im Garten kann helfen, Lebensräume zu verbinden und Wildbienen, Schmetterlingen oder Schwebfliegen entlang ihres Weges Nahrung zu bieten.  

Beim Heckentag NÖ+ werden Gehölze aus regionalem Saatgut sowie abgestimmte Heckenpakete angeboten, die diese Zusammenhänge berücksichtigen. Bestellt werden kann von 1. September bis Mitte Oktober im Online-Shop unter heckentag.at. Die Abholung erfolgt am 7. November an mehreren Standorten in Niederösterreich, alternativ ist auch eine Lieferung Mitte November möglich.

3 Fragen an Bestäubungsökologen Johann Neumayer

Warum sind Hecken für Bestäuber so wichtig?

Einzelne Pflanzen liefern sogenannte Massentrachten und sind damit essenziell für die Ernährung von Bestäubern. Dazu zählen etwa Kornelkirsche und verschiedene Weidenarten im Vorfrühling, später Vogelkirschen und Ahorne sowie im Frühsommer Linden, Wiesenpflanzen wie Löwenzahn und Rotklee oder auch Kulturen wie Raps. Die ersten wichtigen Massentrachten stammen fast ausschließlich von Bäumen und Sträuchern, erst später übernehmen krautige Pflanzen eine immer größere Rolle.

Ebenso wichtig ist jedoch das Blütenangebot zwischen diesen Trachtphasen. Bestäuber benötigen während ihres gesamten Lebenszyklus Nektar und Pollen. Hecken und ihre Säume schließen solche Versorgungslücken, weil dort viele Pflanzen wachsen, die zwar keine Massentrachten bilden, für spezialisierte Wildbienen aber unverzichtbar sind. Dazu gehören etwa Wicken, Glockenblumen, Doldenblütler oder verschiedene Rosengewächse.

Reichen einzelne Blühpflanzen aus, um Bestäuber zu fördern?

Nein. Entscheidend ist nicht nur das Vorhandensein einzelner Blühpflanzen, sondern ein vielfältiges und durchgehendes Nahrungsangebot. Viele Bestäuber sind auf unterschiedliche Pflanzenarten angewiesen, die zu verschiedenen Zeitpunkten blühen.

Das zeigt sich auch in der Landwirtschaft. Der Ertrag von Kulturen wie Ölkürbis, Pferdebohnen oder Erbsen hängt wesentlich von Hummeln ab. Damit ausreichend Hummeln vorhanden sind, brauchen sie schon vor und nach der Blüte dieser Kulturen Nahrung. Pflanzen wie Weiden, Berberitzen, Lerchensporn, Taubnesseln, Beinwell, Rote Heckenkirsche oder Wildrosen liefern diese Ressourcen und kommen häufig im Umfeld naturnaher Hecken vor.

Welche Rolle spielen heimische Hecken in diesem Zusammenhang?

Hecken verbinden verschiedene Lebensräume miteinander und schaffen Strukturen, die Bestäubern über lange Zeit Nahrung und Rückzugsräume bieten. Besonders wertvoll sind heimische Hecken mit einem vielfältigen Unterwuchs und blütenreichen Säumen. Sie tragen dazu bei, dass zwischen den großen Blühphasen keine Versorgungslücken entstehen und Bestäuberpopulationen langfristig erhalten bleiben können.


Alle wichtigen Daten: 

Bestellfrist: 1. September – Mitte Oktober 2026
Abholung: 7.11.2026 von 9 bis 13 Uhr
Lieferung (alternativ): Anfang bis Mitte November
Kontakt: Heckentelefon +43 (0) 680 2340106; office@heckentag.at (von August bis Mitte 
Weitere Infos und Bestelloptionen unter www.heckentag.at 

 

Über den Verein Regionale Gehölzvermehrung (RGV):

Der Verein Regionale Gehölzvermehrung (RGV) ist ein gemeinnütziger Verein zum Erhalt der heimischen Gehölzvielfalt. Neben der Umsetzung zahlreicher Biodiversitäts-Projekte, die von Ländern, Bund und EU gefördert werden, veranstaltet der Verein seit über 30 Jahren den Heckentag. Neben Niederösterreich hat die RGV in den letzten Jahren auch in den Bundesländern Salzburg, Kärnten und Steiermark Fuß gefasst. Über 50 RGV-Besammler:innen schwärmen jeden Vollfrühling bis Spätherbst aus und sammeln kiloweise Früchte, aus denen Saatgut gewonnen und anschließend in den RGV-Partnerbaumschulen kräftige Nachkommen gezogen werden. Weitere Informationen unter www.regionale-gehoelze.at