Dorferneuerung

Kulturpfad der Dorferneuerung in Hennersdorf

Dorferneuerung in Niederösterreich

Seit 30 Jahren gibt es in Niederösterreich die Dorferneuerung. Ihre Ziele im Sinne der NÖ Landesentwicklung sind:

·       Die Lebensqualität für die Ortsbewohner zu verbessern,

·       Das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen für seinen Wohnort und seine Umwelt zu steigern und damit die Identifikation zu verstärken und

·       Die Identifikation mit dem Ort zu intensivieren

·       Das Gemeinschaftsgefühl, den Zusammenhalt in der Gemeinde zu stärken.

Dorferneuerung steht für vernetztes, ganzheitliches Denken, für mehr Miteinander in den Orten, für Eigeninitiative und Mitverantwortung jedes einzelnen Ortsbewohners, für Toleranz und örtlichen Frieden. Dorferneuerung will Hilfe zur Selbsthilfe geben, Eigeninitiativen aus den Orten unterstützen.

Eine Säule der Dorferneuerung in Niederösterreich ist die aktive Einbindung der BürgerInnen in den Ortsentwicklungsprozess: Die Ortsbewohner sollen die Chance haben, die Zukunft ihres Lebensraumes mitzugestalten, die Gemeindeführung hat den Gewinn, das Kreativpotential in der Bevölkerung nützen zu können und aktive, engagierte BürgerInnen zu haben.

Am Beginn jedes Dorferneuerungsprozesses steht die Erarbeitung eines Leitbildes für die künftige Entwicklung des Ortes. Dieses Leitbild ist einerseits durch die definierten Ziele und Meilensteine eine Orientierungshilfe, andererseits können die Mittel der Gemeinde bei künftigen Vorhaben effizienter, weil im Sinne des Leitbildes und damit der engagierten und verantwortungsbewussten Bevölkerung, eingesetzt werden.

Dorferneuerung in Hennersdorf

Zur Sicherstellung der Bürgerbeteiligung und als Ansprechpartner für die Ortsbewohner, die Gemeinde, den Dorferneuerungs- Betreuer und das Land Niederösterreich ist ein Dorferneuerungsverein erforderlich, damit ist auch eine verlässliche und verbindliche Struktur gegeben.

Da dieser Verein – neben der Gemeinde - bei Dorferneuerungsprojekten auch als Förderwerber gegenüber dem Land NÖ auftreten kann, ist für die Förderstelle eine verbindliche Struktur erforderlich (öffentliche Geldmittel, finanzielle Risikoabgrenzung im Vereinsgesetz).

Dieser Verein soll als überparteiliche Plattform für alle interessierten Bürger offen sein, er soll mit den anderen örtlichen Vereinen und Gemeinschaften kooperieren; wichtig ist auch eine gute und partnerschaftliche Gesprächsbasis mit der Gemeindeführung.

In Hennersdorf wurde die Gruppe Dorferneuerung als Teil des Kulturvereins Hennersdorf strukturiert und besteht seit Sommer 2014.

Zunächst wurden Inhalte eines Leitbildes in mehreren Ortsgesprächen erarbeitet, um individuell auf Hennersdorf zugeschnittene Zukunftsziele und Umsetzungsmaßnahmen zu definieren.

Dorferneuerung betrifft ja nicht die kommunalen Kernaufgaben einer Gemeinde (z.B. Ver- und Entsorgungsbereiche, Straßenbau etc.), sondern all jene vielfältigen Bereiche, die Hennersdorf lebens- und liebenswert machen: Der Bogen reicht von der Ortsgestaltung über die Mobilität bis zu ökologischen Bereichen, von der Wirtschaft / Landwirtschaft über Freizeitmöglichkeiten bis zur Kultur, dazu gehören auch die Bildung, die Ortsgemeinschaft und die sozialen Netze und Strukturen im Ort.

In Hennersdorf wurden als Themenschwerpunkte gesetzt:

·       Ortskernentwicklung

·       Soziale Dorferneuerung („Miteinander aktiv sein“)

·       Verkehr / Mobilität „Verkehrssparen“

·       Schonender Umgang mit unseren Ressourcen

Als Dorferneuerungsgruppe treffen wir uns regelmäßig, in der Regel monatlich zu einem regen Austausch.

Projekt „Kulturpfad“

Als erstes Projekt wurde die Gestaltung eines Kulturpfades in Angriff genommen. Er wurde in der Zeit von Juli 2014 bis Oktober 2016 in mehreren Schritten ausgearbeitet.

Besichtigung von Schautafeln in Carnuntum, Biedermannsdorf und Ebreichsdorf

Um uns an die Materie Schautafeln fachlich anzunähern, besuchten wir in einer Ganztagesexkursion den Archäologischen Park in seiner Neugestaltung. Dort manifestierte sich die von uns gerwünschte Höhe und Schräglage der Tafeln.

Eine abendliche Radtour führte uns nach Biedermannsdorf, wo wir ebenso Schautafeln der Baumzeilen einer Allee studierten, eine Gruppe war in Ebreichsdorf vor Ort, um auch sich von dort aufgestellten Tafeln Inspirationen zu holen.

Auswahl der Standorte:

Bei zwei ausgedehnten Dorfspaziergängen erkundeten und definierten wir beschilderungswürdige historische Objekte und entschieden, vorerst mit der historischen Darstellung der öffentlichen Gebäude einen Anfang zu machen. Eine Weiterführung des Projektes auch auf Stätten im Privatbesitz vorwiegend im Ortskern wurde angedacht, jedoch für eine 2. Projektphase.

Textierung und Gestaltung:

Die Erstellung der Texte war eine große Herausforderung, wollten wir doch historisch umfassende Beschreibungen entsprechend kurz gestalten, damit sie auf die Schautafeln passen.

Intensive Diskussionen aufgrund der vorliegenden Quellen wie Kirchenbücher und der beiden Chroniken wurden mit der Fachfrau in unserer Gruppe, Dr. Ingrid Ganster dazu geführt.

Alle Texte wurden in mehreren Durchgängen von allen anderen Mitwirkenden hinsichtlich Informationsgehalt und der auch für Laien notwendigen Verständlichkeit gelesen und bearbeitet.

Mit der graphischen Darstellung wurde unser Dorf-Artograph Robert Müller betraut. Er präsentierte mehrere Entwürfe in Anlehnung an das schönste und älteste Kunstdenkmal Hennersdorfs, die romanischen Kirchenbögen. Das im Gruppenprozess erwählte Modell erscheint uns sehr gelungen und bestach durch seine Einfachheit und Aussagekraft.

Bei der Gesamtgestaltung der Schilder entstand in der Gruppe auch der Wunsch nach einer gemeinsamen Identität und so entwarfen wir unser Motto: Leben im Dorf.

Robert Müller folgte unserem Wunsch und entwarf unser eigenes Logo in den Farben unseres Wappens: Rot – Gelb - Grün. Er hat dieses Werk der Dorferneuerung  als Geschenk überlassen.

Fertigung, Montage und Aufstellung:

Der nächste Arbeitsschritt war die Gestaltung der Schautafelständer. Zunächst erhob Walter Weber die technischen Aspekte und legte einige Modellskizzen und Vorschläge vor. Die endgültige Gestaltung erwies sich als zwar langer, aber schließlich zielführender Diskussionsprozess.

In weiterer Folge wurde bei einer weiteren Begehung festgehalten, wo wir die Schilder an eine Wand, wo aber auf einem Ständer montieren wollten.

Im September 2016 waren die Tafeln und Ständer fertig gestellt und von der Gruppe abgenommen, sodass sie dann zügig von den Gemeindebediensteten aufgestellt resp. montiert werden konnten. Wegen der derzeitigen Großbaustelle beim Bahnhof und in seiner Umgebung werden zwei dort vorgesehene Tafeln allerdings erst später aufgestellt.

Hompepage und Folder:

Auf den Schautafeln befinden sich QR-Codes, die jeweils zu vertiefenden Einträgen auf der Gemeinde-Homepage führen.

Ingrid Ganster und Walter Weber investierten viel Zeit für deren Textierung und Gestaltung auf der Homepage

Robert Müller entwarf den Folder mit einer künstlerischen Darstellung der Schautafel-Standorte als zentrales Element.

Eröffnung am 26.10. 2016

Um dem Kulturpfad einen würdigen Rahmen zu geben, wurde der Kulturpfad am 26.Oktober 2016, den Nationalfeiertag, mit einer halbstündigen Feier eröffnet. . Nachdem wir gemeinsam mit dem Chor „VielXang“ das Hennersdorf-Lied gesungen hatten, stellte Mag. Sabine Wiesmayer die Gruppe und das Projekt vor. Gemeindeberaterin DI Gabriele Bröthaler erläuterte die Sicht der regionalen Entwicklung und die Bedeutung solcher Projekte für den Zusammenhalt dörflicher Gemeinschaften. Im Hauptreferat beschrieb die Historikerin Dr. Ingrid Ganster einen Bogen von der Frühgeschichte über die durch die Hennersdorfer Wappenfarben ausgedrückten Lebensgrundlagen bis hin zu bedeutenden Ereignissen. Sie drückte dabei ihre klare Überzeugung aus, dass die Chance für künftiges gutes Zusammenleben nicht zuletzt aus dem  Verständnis für die Geschichte entsteht. Den Abschluss bildete die offizielle Eröffnung durch Bürgermeister Ing. Ferdinand Hausenberger, wobei er die Gruppe zu weiteren erfolgreichen Projekten anspornte. Zum Abschluss der Feierlichkeiten stimmten  alle Teilnehmer die Bundeshymne an.

Erweiterung bei der Wienerberger Ziegelindustrie

Am 21. April wurde der Kulturwanderpfad um zwei weitere Schautafeln vor dem Gelände der Fa. Wienerberger erweitert und diese im Rahmen einer gelungenen Feier eingeweiht. Dabei wurde auch eine Führung durch das Ziegelwerk mit reger Teilnahme der Hennersdorferinnen und Hennersdorfer geboten.

Rückblick und Ausblick

Voraussetzung für den Erfolg war einerseits die Kompetenz, Motivation und das Engagement aller mitwirkenden BürgerInnen. Zum anderem waren es die intensive und wertvolle Unterstützung durch die NÖ Regionalberaterin und die wohlwollende und tatkräftige Unterstützung durch die Gemeinde. Dabei spielte nicht zuletzt das erreichte positive und konstruktive Gesprächsklima eine wesentliche Rolle.

Im Spätherbst wird die Gruppe anhand des Leitbildes und teilweise veränderter Rahmenbedingungen interessante, aber auch realisierbare neue Projekte erarbeiten und einen Aktionsplan aufstellen. Dabei soll auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen historischen, gestalterischen und sozialen Themen geachtet werden.

Die Dorferneuerung lebt vom Interesse und dem Engagement der Hennersdorferinnen und Hennersdorfer. Viel ist noch zu tun und wir brauchen noch mehr kreative und engagierte Menschen in der Gruppe. Daher sind alle Interessierten herzlich eingeladen, bei der Dorferneuerung mitzuwirken. Wie treffen uns in der Regel monatlich, die Termine werden auf der Homepage und in den Schaukästen der Gemeinde angekündigt.